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Interview mit Tobias Wehrli - Wirtschaft Regional

Lesedauer: 5 Min
Vom Eisplatz auf den Finanzplatz: Tobias Wehrli über seine Arbeit in der VP Bank und welche Parallelen er zum Hockeyspielen zieht.

Herr Wehrli, Sie sind Head of Intermediaries and Private Banking, was kann sich ein Laie darunter vorstellen?
Tobias Wehrli: Der Head of Intermediaries ist ein Teil der Gruppengeschäftsleitung. Mein Bereich befasst sich mit Privatkunden, Geschäftskunden, Treuhändern, externen Vermögensverwaltern – kurzum: alles, was mit Kundenkontakt zu tun hat, dafür bin ich verantwortlich.


Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitsalltag für Sie aus?
Am Morgen stehe ich ziemlich früh auf, um 5.30 Uhr – Gegen 6.30 Uhr bis 7 Uhr bin ich im Büro. Das faszinierende an meinem Beruf ist, dass die Tage oft bis ins Kleinste geplant sind. Ich weiss bereits seit vier Wochen, was ich am kommenden Montag machen werde. Es gibt aber auch einige Zeitfenster, die frei sind, aber die meiste Zeit habe ich Meetings mit Mitarbeitenden oder Treffen mit der Kundschaft. Zusätzlich bin ich im Verwaltungsrat der fünf Aussenstandorte der VP Bank und ab und zu im Ausland unterwegs.


Wo tanken Sie Energie für die tägliche Arbeit?
Bei meiner Frau, meinen Freunden, einer Runde Golf oder in der Natur – dort tanke ich Energie.


Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf am meisten?
Der Umgang mit Menschen. Von Morgens bis Abends habe ich mit Menschen zu tun. Oft auch mit Menschen aus anderen Nationalitäten mit verschiedenen Vorstellungen, Werten und Wünschen. Im Schnitt treffe ich zwischen 10 bis 15 Menschen täglich. Das ist sehr spannend, zumal die Branche auch enorm im Wandel ist, gerade bei der Digitalisierung. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass der Mensch immer das Wichtigste bleiben wird.


Haben Sie diese Karriere vor sich gesehen und war es Ihr Traumberuf als Kind?
Ich wollte immer Hockeyspieler werden. Dann bin ich Hockey-Schiedsrichter geworden, was dann aber sehr gut gelaufen ist. Das Banking hat mich aber immer schon begeistert, besonders die Finanz- und Aktienmärkte. Und mit diesem «Zahlen-Virus» infiziert konnte ich nicht einfach etwas anderes machen. Geplant war das Ganze aber nicht – ich glaube, das geht gar nicht.


Wann und wo können Sie abschalten?
Ich kann sehr gut abschalten. Als ich beim Eishockey in Bern einmal vor 18000 Zuschauern Schiedsrichter sein durfte, haben mich meistens viele Zuschauer nicht gemocht. Als ich nach dem Spiel nach Hause fuhr, war das so ein Moment, bei dem ich gelernt habe, abzuschalten. Es ist wichtig zu entscheiden, was einen von der Arbeit auch im Feierabend noch beschäftigt und was nicht.


Was macht Ihnen beruflich am meisten Angst?
Angst ist vielleicht das falsche Wort – das verbinde ich mit Panik. Ich habe Respekt vor der Zukunft und vor dem Banking. Ich bin überzeugt, dass wir als Bank und auch ich in meiner Funktion die richtigen Weichen für Themen wie Nachhaltigkeit oder Digitalisierung gestellt haben. Es ist eine Challenge, vor der ich aber keine Angst habe. Ich kann das auch mit dem Hockey vergleichen: Wenn du als Schiedsrichter einen Fehler gemacht hast und panische Angst hattest, noch weitere zu machen, dann hast du garantiert einen Fehler nach dem anderen gemacht. Es ist besser, sich wieder zu fangen und weiterzumachen.


Stichwort Nachhaltigkeit: Welchen Herausforderungen steht man als Bank gegenüber?
Ich denke, das Thema Nachhaltigkeit wird ein Wegbereiter in den nächsten zehn Jahren sein. Vor kurzem sass ich mit einer 25-jährigen Unternehmerin am Tisch und die erste Frage war: «Was macht die VP Bank in Sachen Nachhaltigkeit?» Das zeigt, dass die neue Generation sehr stark auf diese Werte achtet – und das auch im Banking. Wer als Unternehmen nicht nachhaltig agiert, hat keine Chance in der Zukunft. So konnten wir in der VP Bank den Papierverbrauch um 15 bis 20 Prozent senken, der Rest ist digital.


Sie haben in der Schweiz und den USA gearbeitet. Was sind die Vorteile des Standorts Liechtenstein?
Liechtenstein hat einen riesigen Vorteil: Die Grösse. Die Entscheidungswege sind viel kürzer. Entsprechend kann man viel einfacher kommunizieren und eine Lösung finden. Liechtenstein kann sich auch in der ganzen Welt mit grossen Innovationen behaupten und ist fähig, sich zu wandeln. Und: Man kennt sich. Das ist ein Phänomen, das ich mehr und mehr schätze, je länger ich hier bin.


In welches Land würden Sie auswandern und wieso?
Ich bin vor fünf Jahren nach Liechtenstein ausgewandert. Ich will nicht mehr weg und könnte mir auch nicht vorstellen, irgendwo anders zu wohnen.


Wie denken Sie, wird sich der Finanzplatz Liechtenstein weiterentwickeln?
Liechtenstein ist es gewohnt, mit neuen Situationen im Finanzbereich umzugehen. Es gab in der Vergangenheit viele Krisen, die man immer wieder gut gemeistert hat. Unsere Herausforderung als Finanzplatz wird sein, die Masse an Regulierungen so umzusetzen, ohne dass es für die Kundschaft mühsam wird. Ausserdem ist unsere Branche innovativ – mit Blockchain beispielsweise oder neuen Technologien. Wir sind da im Expresszug an der EU und auch an der Schweiz vorbeigezogen. Liechtensteins Finanzplatz ist voll cool.


Mit was haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als Schiedsrichter mit 15 Jahren. Ich bekam 50 Franken pro Spiel.


Über was können Sie herzlich lachen?
Über vieles. Am meisten über blöde Missgeschicke. Vor kurzem habe ich den Ball beim Golfen nach hinten anstatt nach vorne geschlagen (lacht).


Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne einmal zu Abend Essen?
Mit Barack Obama. Für mich ein brillianter Rhetoriker und eine spannende Persönlichkeit.


Welche gesellschaftliche Konventionen gehen Ihnen auf die Nerven?
Wenn man immer nur das Negative sieht, anstatt sich auf das Positive zu fokussieren.


Welches Ereignis hat sie am meisten beeindruckt oder geprägt?
Ich war einmal Schiedsrichter in der zweithöchsten Liga beim Eishockey in Chur. Mein Chef kam in die Kabine und sagte zu mir: «Du wirst es nie nach oben schaffen.» Das war ein prägender Moment, der mich noch stärker motiviert hat, mein Ziel zu erreichen.


Was ist Ihre Lebensphilosophie?
«Dream big and be happy». Für mich ist Dankbarkeit etwas vom wichtigsten, was es gibt. Ich war vor zwei Wochen in den Ferien. Die Menschen dort waren so glücklich und so herzlich zu uns, obwohl sie zum Teil nichts hatten. Das beeindruckte mich sehr.

Liechtensteins Finanzplatz ist voll cool

Tobias Wehrli, Head of Intermediaires & Private Banking und Mitglied des Group Executive Management der VP Bank Gruppe
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