LIBOR-Ablösung

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Interbank Offered Rates (IBORs) spielen eine zentrale Rolle an den Finanzmärkten und dienen als Referenzzinssätze unter anderem für Derivate und Kredite. Diese Referenzzinssätze, darunter der London Interbank Offered Rate (LIBOR), der Euro Interbank Offered Rate (Euribor) und weitere IBORs, sind aktuell Gegenstand von Reformen.
Hintergründe der Ablösung

Die Gründe für die Ablösung liegen einerseits in der Finanzkrise 2008. Seither leihen sich Banken vermehrt nur noch gegen die Hinterlegung von Sicherheiten Geld aus. Dies hat zur Folge, dass für viele Laufzeiten keine echten Geschäfte mehr abgeschlossen und Preise nur noch geschätzt werden können. Dadurch haben die IBORs an Aussagekraft verloren und eignen sich nicht mehr als Referenzzinssätze. Andererseits erfolgt die Ablösung auch aufgrund der Aufdeckung von Fällen versuchter Marktmanipulation im Jahr 2012.

In der Folge beauftragte 2013 die G20 (Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer) das Financial Stability Board (FSB; eine internationale Organisation, die das globale Finanzsystem überwacht) mit der Durchführung einer grundlegenden Überprüfung der wichtigsten Referenzzinssätze. Als Konsequenz davon erfolgte 2017 die Ankündigung der britischen Financial Conduct Authority (FCA), die für die Überwachung des LIBOR zuständig ist, dass ab 2022 kein LIBOR-Fixing mehr erfolgt.

Auswirkungen auf Finanzdienstleister

Nach dieser Ankündigung haben globale Aufsichtsbehörden empfohlen, sich ab 2022 nicht mehr am LIBOR und anderen IBORs zu orientieren. Entsprechende Verträge und Produkte sollten auf neue, robustere Sätze umgestellt werden. Diese Ablösung bringt wesentliche Auswirkungen auf prozessuale und technische Aspekte mit sich. Für jede betroffene Währung wurden in den jeweiligen Währungsräumen Arbeitsgruppen eingerichtet, um alternative Referenzzinssätze (Alternative Reference Rates, ARRs) zu entwickeln und den Übergang zu steuern.

Diese ARRs werden in der Regel von offiziellen Behörden wie Zentralbanken oder Börsen bereitgestellt und lassen daher wenig Spielraum für Manipulationen. ARRs sind Tageszinssätze, die ein geringes oder gar kein Kreditrisiko beinhalten. Ausserdem sind die Märkte, die den ARRs zugrunde liegen, wesentlich aktiver als die Märkte, die den IBORs als Grundlage dienen. Während die IBORs in hohem Masse auf Expertenurteilen beruhen, basieren die ARRs auf effektiv getätigten Transaktionen

Beispiele für alternative Referenzzinssätze

Währung

Alternativer Referenzzinssatz

CHF

Swiss Average Rate Overnight (SARON)

EUR

Euro Short-Term Rate (€STER)

USD

Secured Overnight Financing Rate (SOFR)

GBP

Reformed Sterling Overnight Index Average (SONIA)

JPY

Tokyo Overnight Average Rate (TONAR)

SGD

Singapore Overnight Rate Average (SORA)

Evolution/Meilensteine der IBOR-Ablösung
Infographic
Auswirkungen für die Kunden der VP Bank

Die VP Bank beobachtet weiterhin die regulatorischen und branchenspezifischen Entwicklungen und prüft, welche Alternativen unseren Kunden präsentiert werden können. Direkte Auswirkungen ergeben sich unter anderem auf Kreditprodukte mit Zinsbindungen von bis zu einem Jahr. Die ersten Kredite in Schweizer Franken wurden bereits im Januar 2021 umgestellt. Dabei wird der SARON als neuer Referenzzinssatz herangezogen. Im weiteren Verlauf des Jahres 2021 werden sukzessive bei weiteren Währungen die bisherigen Referenzzinssätze durch ARRs ersetzt. Die VP Bank informiert die betroffenen Kunden über das Vorgehen der Umstellung individuell.